St. JOHANN

S t. J o h a n n

St. Johann im Herzen des Ahrntales und lange Zeit Sitz der Urpfarre Ahrn ist seit 2023 wieder Zentrum der Seelsorgeeinheit Ahrntal mit 7 Pfarreien. Mit über 2.000 Einwohnern ist „Ahng“, wie es im Dialekt genannt wird, die einwohnerstärkste und flächenmäßig größte Ortschaft des Tales auf der klimatisch noch angenehmen Höhenlage von 1.000 Metern im Talboden. Bei der Platterwand am Bloßenberg liegt aus antrischer Sicht der interessante Ortsteil, wo die antrische Dirn einer Magd das geheimnisvolle Wollknäuel geschenkt haben soll. St. Johann, das einzige Dorf mit einer kleinen Umfahrung aber ohne echten Ortskern, ist heute Schulzentrum des Ahrntales und Sitz des Altersheimes, im Volksmund vereinzelt noch Spital genannt. 

Wanderung zum Bloßenberg

 

Start: Bruggnwirt (Hotel Adler), St. Johann

Ziel: Antrische Löcher am Bloßenberg 

Strecke: 3,7 km

Höhenunterschied: 580hm

Schwierigkeit: mittel 


Wegbeschreibung: 
Auf der Zufahrtsstraße zum Moaregger Hof gehen wir bis zur Kehre, dann über den ausgetretenen Feldweg in den nahen Wald. Dort angekommen entdecken wir gleich unterhalb des Weges größere Granitblöcke, gebrochene Steine, Spuren der Vergangenheit, wo das Material noch händisch verarbeitet wurde. Keiltaschen und behauene Reststücke zeugen davon. Wir durchschreiten den Waldgürtel auf dem alten, teils mit Steinen stufig angelegten Feldweg, der zum Platter Hof 1.200m führt. Riesige Findlinge und schöne Trockenmauern umsäumen den Weg. Die Hofstelle vom 15. Jhdt. liegt unterhalb der marmorartigen Platterwand. Mauerreste weisen auf alte Kalkbrennöfen hin, das Gestein tritt hier durch die Gebirgsbildung neben den Zentralgneisen des Hauptkammes zutage. Eigenartige Symbole und Gravuren sind hier zu entdecken.

Nach Besichtigung der Hofkapelle treten wir den Aufstiegsweg an, der im Wald fortgesetzt wird und zum Hof Hochlärcher 1360m führt. Ob hier schon der antrische Eingang zwischen den Steinblöcken ist lässt sich nicht sagen. Schön geschichtete Trockenmauern begrenzen den Weg hinauf zur Forststraße und durchziehen die Felder. Ursprüngliche, harte Arbeit läßt sich hier erahnen. Wir tauchen erneut in den Wald ein, vorbei an weiteren Findlingen, wo sicher schon antrische Leute hausten, gehen weiter den steileren Waldweg empor und überqueren zweimal die Schotterstraße. Die oberhalb vom Hochlärcher liegende, im Waldboden versenkte, rund ausgemauerte Fallgrube besichtigen wir beim Rückweg. Vorausgesetzt dass wir den Wolf nicht vorher begegnen.

Auf Golatsch 1520m angekommen, erschließt sich der Blick durch lockeren Föhrenbestand das Frankbachtal und hintere Ahrntal. Ein mächtig, gespaltener Felsblock weist uns nun auf der Forststraße Richtung Bloßenberg zu den geheimnisvollen Löchern im steinigen Gelände. Es ist nicht leicht die Eingänge ins Innere des Berges zu finden, da vom wilden Sturmtief gefallene Bäume noch kreuz und quer die Übersicht verhindern.


Aus St. Johann


Zwei Sagen


Das muss man gesehen haben. Die Marmorspur zwischen Frankbach und Schwarzenbach. Weiß wie eine Blüte. Dort oben entstand wohl die Sage von den Hüterbuben, die eine Küche fanden, aber keinen Koch dazu. Wir können uns an diesem Tag auch einem Knäuel annehmen und einem katastrophalen, aber menschlichen Fehlers. 



Eine Küche in St. Johann


Das antrische Loch


aus J. Adolf Heyel, Sagen aus Tirol 1897 S. 608


Gelesen von Helga Plankensteiner und Michael Lösch


Ein alter Fütterer erzählt allen Ernstes und mit der heiligsten Versicherung der Wahrheit folgendes: Als Bub von 14 bis 18 Jahren musste er im Schwarzenbach in St. Johann in Ahrn das Vieh hüten. Einmal war er wieder mit mehreren anderen Hüterbuben draußen beim Vieh, als sie auf einmal oben aus einer Felswand Rauch herauswirbeln sahen. Sie gingen, die Felswand untersuchen und trafen ein antrisches Loch an. Sie krochen hinein und bald wurde der Gang so weit und hoch, dass sie aufrecht gehen konnten. Nachdem sie ungefähr 100 Schritte vorwärts gegangen waren, tat sich der Gang auf einmal zu einer großen und sauberen Küche auseinander. Auf dem Herde glühte noch die Asche, aber Holzvorräte sahen sie in der Küche keine, nur eine rostige Axt, ein Hammer und noch anderes Werkzeug lagen in einem Winkel, und oben hinauf zog sich der Rauch durch ein Loch. Ein menschliches Wesen kam ihnen nicht unter. 



Platterwand in St. Johann

Die antrische Dirn


aus J. Adolf Heyel, Sagen aus Tirol


Gelesen von Helga Plankensteiner und Michael Lösch


Einmal war beim Platter eine antrische Dirn im Dienst. Nachdem sie längere Zeit treu und redlich gedient hatte, und es gut gehabt hatte bei den Leuten auf dem Hofe, schenkte sie der Bäuerin einen Zwirnknäuel und sagte: Du sollst immer den Anfang vom Faden suchen, aber nie nach dem Ende fragen, dann wird der Knäuel nie gar werden. Die Bäuerin hatte sehr lange an dem Knäuel. Einmal aber „vergachte“ sie sich und fragte nach dem Ende und in dem Moment war das Ende da und der Knäuel fertig.


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