St. PETER

S t. P e t e r

Die Flur Pipprig, frühbayrischer Ausdruck für „die ringsum befestigte Anlage“ und die sonnseitig erhöht gelegene Kirche auf dem Kofel lassen auf die Bedeutung von St. Peter als Rückzugsort in unruhigen Zeiten schließen. Während die einen beim Durregger unterhalb der Kirche den Ansitz der Herren von Ahrn vermuten, sehen andere bei der Kirche den Begräbnisplatz eines Riesengeschlechts, das die Gegend in Urzeiten beherrschte. Heute ist St. Peter, das Dorf ohne Gasthaus und Lebensmittelgeschäft, Rückzugsort von 550 Personen.
Die am Griesbach errichtete und am 11.11.2026 eingeweihte Finanzkaserne hat seinen Schrecken verloren. In den Besitz der Gemeinde übergegangen, wartet sie geduldig auf die Erweckung aus dem Dörnröschenschlaf. Weiter talauswärts, in der Wöllemühle verbrachte der spätere Bauernbundobmann, Mitglied der Landesregierung, Senator und EU-Parlamentarier eine spannende Kindheit, bevor er nach Fronterfahrung und Kriegsgefangenschaft eine politische Karriere einschlug. 


Wanderung auf den Sam

 

Start: Kirche, St. Peter 

Ziel: Sam, Faden

Strecke: 4,4 km

Höhenunterschied: 960 m

Schwierigkeit: mittel


Wegbeschreibung: 
Über den alten Kirchweg am “Pietregge” steigen wir vorerst steil empor und gelangen durch den Wald auf die Forststraße. Dort zweigt der Weg Nr.20 links ab, der zweimal die Straße quert. Immer steiler verläuft der alte Heuzieherweg im dichteren Wald an deren Grenze die einzelnen Samhütten (2010m) stehen. Parallel zur Forststraße können wir beim Eintreten in den Wald den bequemeren Steig Nr. 16 wählen, der über das “Pietregge”an der offenen Grenze zu Prettau das geplante Ziel anpeilt. Immer wieder erhaschen wir einen spannenden Durchblick zum Talschluss.

Oberhalb des lichten Lärchenwaldes, wo beide Wege wieder zusammentreffen öffnet sich wahrlich das Tauernfenster. Wir folgen kurz der Straße bis zur Heuschupfe, von dort links über den Geländerücken hinauf zur mystischen Noatfeldlocke 2200m. Der kurzweilige Anstieg zum sagenumwobenen Riesengrab (Faden 2288m) verläuft links der Lacke vorbei.

Am “Fodn” angekommen überblicken wir das gesamte Ahrntal, umrahmt von den unzähligen Dreitausendern. Bereits in prähistorischer Zeit durchstreiften Jäger und Sammler diese grandiose Landschaft und hinterließen auch ihre Spuren. Bauern trieben einst das Vieh über das Hundskehljoch 2550m, Händler, Schmuggler und Bergsteiger nutzten diesen Weg um ins Zillertal zu gelangen. Archäologisch gesehen ist die mystische Gegend rund um den markanten Rauchkofel, Waldnersee und Sam noch zu wenig erforscht. Also bleibt die Suche nach menschlichen Spuren in Stein gerieben, den antrischen Löchern zwischen verstreuten Steinblöcken rund um die “Seala Locke” spannend.



Aus St. Peter



Auf dem Sam



Ein Rücken, gut gerundet. Eine Steinformation, die irgendwie so ganz anders wirkt, wie alles, was da sonst so rumliegt. Ein Wunder ist das nicht, denn immerhin bekommen wir es auf dieser Tour oberhalb von St. Peter mir Riesen zu tun. Wer sonst könnte so etwas schaffen…


Das Riesengrab auf dem Sam

aus Leander Petzold, Sagen, Märchen und Schwänke aus Tirol


Gelesen von Helga Plankensteiner und Michael Lösch


Das hat mir meine Mutter erzählt. 

Da oben über St. Peter ist ein Bergrücken, da heißt man`s „afn Sam“ dort haben die Petereggbauern ihre Bergwiesen. Und auf dem Sam, da ist noch ein Bergrücken, den heißt man Faden. 

Einst sollen hier zwei Riesen gelebt haben. Der eine auf der Schattenseite, der andere auf der Sonnenseite des Tales. Und es war nur eine Riesin da, und beide hatten diese gern. Die Riesen sind so groß gewesen, dass sie mit einem Schritt über`s Tal gehen konnten. 

Eines Tages sind die beiden wegen der Riesin ins Raufen gekommen. Ausgerechnet der Riese, den die Riesin nicht mochte, hat den, den sie gern hatte überwältigt. Der geliebte Riese wurde auf dem Sam begraben. Der Bergrücken hat die Form wie ein langes Grab und ist eine halbe Stunde lang. 

Auf dem Bergrücken soll die Geliebte gesessen haben und soll so geweint haben, dass darunter ein See entstanden ist. Das Gebiet heißt Notfeld und die Lacke heißt heute Notfeldlacke.



Die Welt ist voller Neid und Hass


Das antrische Loch auf dem Sam


aus Leander Petzold, Sagen, Märchen und Schwänke aus Tirol


Gelesen von Helga Plankensteiner und Michael Lösch


Oben auf dem Sam, oberhalb von St. Peter auf dem „Zirma,“ liegt ein kleiner See, die „Seala Locke.“ In der Nähe führt ein Antrisches Loch in den Berg. Dort lebten früher die Antrischen Leute. Brauchten die antrischen Leute Milch, so stellten sie kleine Schüsselchen vor die Almhütten. Erhielten sie diese, so beschenkten sie die Senner mit kleinen „Goldbrecklan.“ Einmal aber belauschen die Antrischen Leute die Bauern, wie sie um kleine, belanglose Dinge stritten. Das verdross sie so sehr, dass sie den Sam mit den Worten „Die Welt ist voller Neid und Hass, man tretet gar ins hohe Gras“ für immer verließen. 


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